St. Bartholomäus Zeilsheim

Gelobte Wallfahrt zur Hofheimer Bergkapelle

Noch nicht lange waren die Schrecken des 30-jährigen Krieges überstanden, und das Volk litt noch immer unter den Folgen, als sich 1666 auch hier in unserer Region eine neue Seuche breit machte: „Die Pest“.

Nach alten Überlieferungen ist bekannt, dass die Pest von Ostern bis zum 24. August (Fest des Hl. Bartholomäus) 1666 in Zeilsheim wütete. Im Juni häuften sich die Todesfälle, so dass man am 18. Juni beschloss, mit allen Bewohnern den Ort zu verlassen. Mit all ihrer Habe zogen die Zeilsheimer hinaus aufs Feld Richtung Münster, um dort auf dem freien Feld zu campieren. Trinkwasser schöpften sie aus dem Lachgraben, und die Höchster Antoniter versorgten sie mit Lebensmitteln.

Doch auch hier auf dem Feld war man vor der Pest nicht geschützt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung, die vor der Epidemie in Zeilsheim lebte, fiel der Pest zum Opfer, wenngleich auch Kinder geboren wurden.

Aus Dankbarkeit, dass ihre Gebete erhört und die Schreckenszeit der Seuche beendet war, gelobten unsere Vorfahren, zusammen mit den Nachbarn aus den heutigen Hofheim, Kriftel, Hattersheim und Münster, der Mutter Gottes auf dem Berg bei Hofheim eine Kapelle zu errichten. Jährlich am ersten Sonntag nach dem 2. Juli, dem Fest „Mariä Heimsuchung“, sollte eine Wallfahrt dorthin stattfinden.

Die Hofheimer Bergkapelle wurde 1667 fertiggestellt. Seitdem „wallfahren“ die Christen der Gemeinden Hofheim, Kriftel, Hattersheim, Zeilsheim und Münster jährlich entsprechend ihres Gelöbnisses "aus Dankbarkeit für die Errettung aus größter Not" nach Hofheim. Am 3. Juli 2016 jährte sich das Gelöbnis zum 350. Mal. Ein Ereignis, das gebührend begangen wurde.

Eva von Janta Lipinski

Impressionen aus vergangenen Jahren (von Gemeindemitgliedern und Wolgang Bluhm, St.Martinus Hattersheim)

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Chronik

1666

Im Rhein-Main-Gebiet grassiert die Pest. Am 3. Juni macht der Hofheimer Pfarrer Johannes Gleidener „am Feste der Himmelfahrt des Herrn mittags 12 Uhr“ mit den Gemeinden eine Prozession auf den Rabberg.

Die Anwesenden geloben, eine Kapelle zu bauen und einige Bittgänge im Jahr dorthin zu tun.

Während die Pest in Zeilsheim, Weilbach, Wicker, Flörsheim, Hochheim, Mainz, Castel, Fischbach und Eppstein weiter grassiert, führt Gleidener die Gemeinde am 2. Juli zum Fest Mariä Heimsuchung erneut auf den Rabberg zur Erneuerung des Gelöbnisses.

Nach dem 3. Juni 1666 sind in den Kirchenbüchern von Hofheim und den am Fachwerkbau beteiligten Gemeinden Zeilsheim, Münster, Kriftel und Hattersheim keine Sterbefälle von an Pest Erkrankten festgehalten.

1667

Zimmermann Johannes Stoll beginnt im Mai mit Bauarbeiten. Am 29. September weiht der Dekan des Landkapitels Castel die Kapelle zu Ehren Marias und der Pest-Schutzheiligen Rochus und Sebastian.

1682

Am 11. Oktober konsekriert der Mainzer Weihbischof Matthias Starck die Kapelle und bestimmt als Kirchweihtag den „Sonntag nächst dem Feste des Hl. Rochus“ (16. August).

1701/1702

Aufstellung der Bildstöcke "Sieben Fußfälle" von Anton Wermerskirch entlang des Prozessionsweges.

1771

Wegen der Zunahme der Pilger an der Kapelle wird ein neuer Bau beschlossen.

1773

Die neue Kapelle wird als Steinbau fertiggestellt, der bis heute am selben Standort steht.

1784

Am 21. September weiht der Mainzer Weihbischof Valentin Heimes die Kapelle.

1795

Zerstörung der Kapelle durch Teile des französischen Revolutionsheeres.

1817

Die Nassauische Landesregierung verweigert die Genehmigung von Bittgängen zur Kapelle.

1850

Die Landesregierung genehmigt nun Bittgänge und Wallfahrten – falls der baufällige Zustand der Kapelle beseitigt würde. Der Hofheimer Pfarrer Johannes Antonius Hilf verhindert den geplanten Abbruch und gründet einen Verein zur Wiederherstellung des Baus.

1857

Die Kapelle ist erneuert und instandgesetzt.

1896

Ein Blitzschlag hinterlässt „bedeutende Schäden“.

1916

Zum 250. Jahrestag des Gelöbnisses erhält die Kapelle eine Außenkanzel und den Treppenaufgang.

1966

Die Kapelle wird für 82.600 Mark innen und außen renoviert, die Wandfresken werden weiß übermalt.

1988

Die Bergkapelle wird für 80.000 Mark außen renoviert und trockengelegt.

1990

Der Bau wird für 217.060 Mark innen renoviert und eine Entfeuchtungsanlage eingebaut.

2008

Holzfraß und Feuchtigkeit haben die Dachbalken angegriffen, die wegen Einsturzgefahr für 100.000 Euro saniert werden müssen.

2016Logobunt600 3

Zum Jubiläum "350 Jahre Gelobte Wallfahrt" finden von März bis Oktober zahlreiche Veranstaltungen in Hofheim statt.

Im Rahmen der Sonderausstellung 1666 – 2016 „Maria hilf!“ – Krieg, Feuer, Not und Pest –
350 Jahre Gelobte Wallfahrt
im Stadtmuseum in Hofheim am Taunus wird die Pestmadonna aus St. Bartholomäus als Leihgabe ausgestellt.

 

Quelle: Programm-Flyer zum Jubiläumsjahr vom Bergkapellenausschuss der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul