St. Bartholomäus Zeilsheim

Alte Friedhofskapelle und das Kreuz in der Kapelle

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Im Jahr 1819, nach dem Bau der ersten Kirche in Zeilsheim (siehe auch Pfarrkirche St. Bartholomäus / Bau der Pfarrkirche), wurde der Friedhof, der über Jahrhunderte in unmittelbarer Nähe zur Bartholomäuskapelle lag, auf einen neuen Platz an der Bartholomäusgasse verlegt. Die erste Beisetzung fand hier 1820 und die letzte 1912 statt.

Die alte Friedhofskapelle war hier 1852 erbaut worden. Seitdem steht dort geschützt das "Friedhofkreuz" (siehe Wegkreuze), das der Mainzer Bildhauer Heinrich Jung 1761 geschaffen hatte.

Unbekannt ist, wo sich der ursprüngliche Standort dieses Kreuzes befand.

Dem geschützten Standort ist es zu verdanken, dass der originale Erhaltungszustand, gemessen am Alter, als gut zu bezeichnen ist.

Die Friedhofskapelle und das Kreuz stehen unter Denkmalschutz.

Das barocke Kreuz aus Miltenberger rotem Sandstein in der Totenhofkapelle ist das künstlerisch wertvollste Kreuz in Zeilsheim.

Die Marienstatue auf dem Sockel zu Füßen des Kreuzes wurde später hinzugefügt.

Die Sockelinschrift lautet:

Steh Still und seh o Sünder Mein
ob eine lieb Könnt größer Sein
als das ich für dich gestorben
und dar durch dein Heil erWorben
Von
Peter Westenberger des Gerichtes
in Sindlingen und
M. Catharina Seiner Haus Frau
auf gerichtet nebst anderen guthaten
1761
Heinrich Jung bildHauer
VBG.W. ANTONITA CURATO
In Mayntz                         

Der lateinische Teil der Inschrift könnte folgendermaßen gedeutet werden: ANTONITA CURATO d.h. "Im Auftrag der Antoniter". Die Antoniter waren eine Congregation, die sich um die Krankenpflege kümmerte. Die Bedeutung der Buchstabenkürzel VBG.W. ist nicht bekannt.

Zu den Stiftern dieses Kreuzes schrieb der Sindlinger Pfarrer Scheh, der sich mit der Heimatgeschichte sehr beschäftigte:
Johann Peter Westenberger wurde 1698 in Sindlingen geboren und starb dort1772. Er heiratete M. Katharina Christ aus Zeilsheim, die 1766 in Sindlingen starb. Die Ehe blieb kinderlos.
Peter Westenberger ließ das Kreuz nicht in seinem Wohnort Sindlingen aufstellen sondern im Geburtsort seiner Frau.  

Über den Künstler Heinrich Jung schreibt Dr. Baron Ludwig Döry, ein bekannter Kunsthistoriker:
"Jung kann mann als den führenden Meister der Mainzer Rokokoplastik bezeichnen.
Die bedeutendsten Werke sind durch Signaturen gesichert. Dafrunter fallen das großartige Grabmal mdes Mainzer Kurfürsten Friedrich Carl von Ostein im Mainzer Dom von 1764 und die Kanzelfiguren von 1761 aus der Mainzer Kirche St. Emeran, heute in der St. Quirinus Kirche zu Mainz. Dazu kommen zwei sehr schöne Beweinungsgruppen im Landesmuseum in Mainz.
Der plastische Schmuck des berühmten Chorgestühls des Mainzer Doms wird Jung zugeschrieben.
Besondere Schönheit und Ausdruckskraft zeigt eine sechsfigurige Kreuzigungsgruppe aus Buchsbaumholz im Schloß Mespelbrunn.
Der Zeilsheimer Christus hilft, weitere große Steinbildwerke dem künstlerischen Werk Jungs zuzuschreiben. Dazu gehören die großen Beweinungsgruppen in Marxheim (datiert 1750) und in Gau-Algesheim.
Es ließen sich weiter Arbeiten finden, sowohl in der Reihe der Kruzifixe (z. B. in Flörsheim und Rauenthal) als auch bei den Pietas (z. B. Eltville, datiert 1749).
Die Tragweite des Bekanntwerdens einer signierten Barockskulptur, wie das Zeilsheimer Kreuz, kann weit über die Grenzen des lokalen Rahmens hinausreichen".

alter friedhof 1931

 

Da 1912 der alte Friedhof den Anforderungen nicht mehr genügte, wurde ein neuer, größerer Friedhof am Ortsausgang in Richtung Kriftel hinter dem Welschgraben angelegt (siehe auch Geschichte der Pfarrei 1912).

1941 wurde der alte Friedhof geschlossen und eingeebnet. Im Jahr 1951 wurde er  zum Spielplatz umgestaltet, wobei die alte Friedhofskapelle erhalten wurde.

(Das neben stehende Bild zeigt die Begräbnisstätte "Alter Friedhof" in einer Aufnahme aus dem Jahr 1931)