St. Dionysius – St. Kilian Sindlingen

Kirche St. Dionysius

Pfarrkirche St. Dionysius, Frankfurt Sindlingen

Die Planungen für die heutige Kirche wurden im Jahr 1818 begonnen. 1823 wurde nach dem Abbruch der alten Kirche von 1609 mit dem Bau angefangen. 1827 konnte die Kirche - wahrscheinlich vom ersten Bischof des neuen Bistums Limburg, Jakob Brand, - eingeweiht werden. Die Pläne für diese klassizistische Kirche stammen von Landesbaudirektor Carl Florian Goetz.

Die Kirche ist 40 Meter lang und 24 Meter breit und bietet heute einschließlich der Emporen rund 600 Sitzplätze.

Betritt man die Kirche durch das große Eingangsportal im Westen, steht man in einer dreischiffigen Halle, mit einem breiten, in einer Korbbogentonne gewölbten Mittelschiff und blickt nach Osten auf die Apsis mit dem Hochaltar und der goldenen Halbkuppel mit einer Dreifaltigkeits-Darstellung, die Maria nach der Aufnahme in den Himmel krönt. Dass der Betrachter bei diesem Blick durch das Kirchenschiff im Halbdunkel steht, während der Altarraum in hellem Licht aufleuchtet, ist pädagogische Absicht: Christus ist unser Licht im Leben.

HochaltarDer Hochaltar stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahre 1914 und zeigt – eingerahmt von vier ionischen Säulen – eine Kreuzigungsgruppe, deren unverkennbarer Mittelpunkt allerdings die kniende Frau (Maria aus Magdala) ist, die dem toten Jesus die Füße küsst. Der Bildhauer nimmt damit Bezug auf das Lukasevangelium, wo im 7. Kapitel eine Sünderin Jesus die Füße salbt und küsst. Sie zeigt damit ihre große Liebe und Jesus versichert ihr die Vergebung ihrer Schuld. Außerdem ist links im Bild der römische Hauptmann zu sehen, der als erste nach dem Tode Jesu bekennt, das dies wahrhaft Gottes Sohn war. Auf der rechten Seite steht dagegen der jüdische Hohepriester, der bis zuletzt den Glauben verweigerte.

PetrusPaulusFlankiert wird der Hochaltar von Figuren der Apostelfürsten, links Petrus und rechts Paulus. In vielen großen Kirchen stehen diese beiden großen Männer an den Vierungssäulen, das heißt an den Säulen, bei denen das Hauptschiff mit dem Querschiff zusammenkommt. Das soll die tragende Funktion der beiden Apostel für die junge Kirche darstellen. Mit der Aufstellung rechts und links am Fuße des Hochaltares wird hier die fundamentale Bedeutung der beiden für die Kirche unterstrichen. Sie sind "die Säulen" der Kirche und unseres Glaubens.

Ausnahmsweise wird dabei Petrus nicht wie gewohnt mit den Schlüsseln des Himmelreiches in der Hand gezeigt, sonden mit dem "Petruskreuz". Es ist ein auf dem kopfstehendes Kreuz. Der Legende nach sollte Petrus wie Jesus gekreuzigt werden. Da er aber sich selbst nicht würdig fühlte, genau wie Jesus zu sterben, bestand er darauf, umgekehrt, mit dem Kopf nach unten gekreuzigt zu werden. Diese Darstellung ist konsequent um das Altarbild gruppiert. Auch Paulus wird mit dem Schwert in der Hand gezeigt, denn er wurde enthauptet.

Epitaph über dem Hochaltar, Bischof Dionysius mit GefährtenÜber der Kreuzigungsgruppe findet sich eine Darstellung des Patrons der Kirche, des Bischofs und Martyrers Dionysius. Er war um 250 nach Christus Bischof Paris und wurde für seinen Glauben enthauptet. Der Legende nach ging er nach der Hinrichtung mit seinem Kopf in der Hand zu dem Ort, an dem er beerdigt sein wollte. Er wird deshalb mit seinem Kopf in der Hand dargestellt. Rechts und links von Bischof Dionysius sind seine Gefährten und Mitmartyrer Rustikus und Eleutherius dargestellt.

Altarkuppel über dem HochaltarÜber dem Altarraum wölbt sich eine Halbkuppel. Dort sind auf goldenem Grund Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist dargestellt, die gemeinsam Maria, die Mutter Gottes, krönen. Maria wird damit nicht etwa in einen "göttlichen" Status erhoben. Vielmehr stellt sich da der Glaube der Kirche seit Alters her dar, dass nämlich Maria die erste der Menschen war, die die Krone des ewigen Lebens erhielt. Es ist dies die Zielperspektive aller gläubigen Christen, dereinst zum Ewigen Leben zu gelangen.

Vor dem Hochalter steht heute der Volks- oder Zelebrationsaltar, wie er nach der Reform der Liturgie durch das zweite Vatikanische Konzil notwendig wurde. Dieser Umbau wurde 1983 vorgenommen. Nach einem Brand der Kirche 1985 wurde die ganze Kirche renoviert und erhielt ihre heutige Gestaltung und Farbgebung. Dabei wurden auch entsprechend dem modernen, einfachen Geschmack, eine ganze Reihe von Gemälden und Heiligenfiguren aus dem Innenraum der Kirche entfernt. Eigentlich war im Zuge dieser Neugestaltung vorgesehen, die klassizistische Kommunionbank, die in der neuen Liturgie überflüssig geworden war, zu entfernen, was aber am Widerstand der Gemeinde scheiterte.

Mutter Anna mit Maria auf dem ArmAuf der rechten Seite steht im Altarraum noch eine Statue der heiligen Anna, die früher in der Anna-Kapelle stand.

MarienaltarJosefsaltarAm östlichen Ende der beiden Seitenschiffe stehen ein Marienaltar und ein Josefsaltar. In den Marienaltar auf der linken Seite sind seit 1961 die Figuren der 14 Nothelfer eingebaut, die schon auf dem Altar der Vorgängerkirche standen, dann lange in Privatbesitz waren und schließlich wieder der Kirchengemeinde übereignet wurden.

Das Hauptschiff der Kirche wird von den vier großen dorischen Säulen geprägt, die das Tonnengewölbe tragen. Auf der rechten Seite ist an der vorderen Säule die Kanzel befestigt. Sie wurde 1844 eingebaut und zeigt auf goldenem Grund Christus und den Kirchenpatron Dionysius und die vier Evangelisten.

Nach Westen wird die Kirche von der Orgelempore abgeschlossen. Das Orgelgehäuse stammt aus dem Jahre 1831, wie es für die alte, noch aus der Vorgängerkirche stammende Orgel gestaltet wurde. Allerdings wurde in diesem Gehäuse 1931 eine neue, moderne Klaisorgel eingebaut.

Gerhard Buballa