Werk der Barmherzigkeit: Ich suche dich auf

Wer Erbarmen hat mit dem Elenden,
leiht dem Herrn;
er wird ihm seine Wohltat vergelten.

Sprichwörter 19,17

Wer krank ist, erfährt die Begrenztheit des Lebens, ist auf sich selbst zurückgeworfen und gleichzeitig auf die Hilfe anderer angewiesen. Wenn der Kranke zu verzweifeln droht, halten Angehörige und Freunde die Hoffnung für ihn aufrecht. Sie vertrauen ihn so der Barmherzigkeit Gottes an. Gott wendet Krankheit nicht ab. Er beantwortet die Fragen nach dem „Warum“ nicht. Doch die Zusage von Jesus gilt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).

Gefangenschaft kennt ganz unterschiedliche Formen: Die eine ist das Verbüßen einer vom Gericht verhängten Strafe. Der Besuch von Verwandten kann den Gefangenen helfen, die schwere Zeit zu durchstehen. Gefangen-Sein zeigt sich aber auch in Einsamkeit und im Fernbleiben vom öffentlichen Leben, es ist eine Gefangenschaft in sich selbst und der eigenen Lebenssituation. Wer um solche Menschen weiß, handelt barmherzig, wenn er den ersten Schritt macht, auf sie zugeht, einen Besuch vereinbart, das Gespräch sucht und Möglichkeiten eröffnet, wieder an der Gemeinschaft teilzunehmen.

Das Zuhören ist der Schlüssel zur Barmherzigkeit, denn Gott steht an der Seite, wenn die bittere Klage der Kranken und Gefangenen ins Wort findet – und manchmal kann nur Aushalten, menschliche Nähe, Schweigen und Gebet die Antwort sein. Ein großes Geschenk ist es, neuen Lebensmut zu sehen, der die Einsamkeit durchbricht und gleichsam Fesseln löst. Zuweilen taucht in schier ausweglosen Situationen die Frage auf, was denn solche Zuwendung „bringt“, ob sie nicht vielmehr vergeblich ist: Gott vergilt jede Mühe, selbst diejenige, die vordergründig keinen Erfolg zu haben scheint.

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