Sankt Margareta Frankfurt

ausBlick August 2020 - Grußwort

Braucht es Kirche?

Die jüngsten Zahlen der Kirchenaustritte können nachdenklich stimmen. Laut den Ende Juni vorgelegten Daten der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland traten im vergangenen Jahr so viele Christen aus der Kirche aus, wie noch nie zuvor.

lost places quadratischDie katholische Kirche verlor demnach 272.771 Mitglieder, die evangelische Kirche rund 270.000. Gründe für einen Austritt gibt es viele. In Befragungen sagen die einen, um christlich zu leben, brauche es die Kirche nicht. Andere gehen noch weiter und behaupten, das Leben könne sogar ohne das Christentum, basierend allein auf der menschlichen Vernunft, human gestaltet werden.

Der Sozialstaat sowie sinngebende Institutionen (zum Beispiel die Sportvereine), regelten die Bedürfnisse der Menschen. Die Kirche brauche es dafür nicht! Faktisch kommt Gott, wie ihn das Christentum bekennt, im öffentlichen Leben kaum noch vor. Medienberichte beschränken sich oft auf negative Vorkommnisse innerhalb der Kirchen, so als gäbe es das viele Gute nicht. Wer sich zum christlichen Glauben bekennt, riskiert nicht ernst genommen und belächelt zu werden.

Was bei diesen Positionen übersehen wird ist, dass die humanen Werte, die das Leben in unseren Breiten lebenswert machen, auf der christlichen Botschaft basieren. Sie wurden dem Christentum entnommen, ohne aber den Gottesbezug mit anzuerkennen. Daher darf man besorgt fragen: Werden die humanen Errungenschaften erhalten bleiben, wenn deren Quelle, der Glaube an Jesus Christus, keine Rolle mehr spielt? Werden die Freiheit und die Würde des Menschen ihren unbedingten Anspruch behalten, wenn der Glaube, sich einem Gott gegenüber rechtfertigen zu müssen, verschwindet? Werden Menschen in großer Mehrheit bereit sein, zu Gunsten künftiger Generationen und den Erhalt der Erde auf Annehmlichkeiten und Genuss zu verzichten? Wie werden künftig Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden?

Eine wachsende Gewaltbereitschaft, Verrohung der Gesellschaft und vieles mehr lassen besorgt fragen: Werden Menschen künftig ohne das Christentum die von ihm übernommenen Werte in die Zukunft hinüberretten? Damit das gelingt, ist es wichtig, dass die Kirche das Gespräch mit der Moderne sucht, ohne dabei ihrem Kern treulos zu werden. Der jüngst beschrittene Synodale Weg stimmt sehr hoffnungsvoll, dass das gelingen kann.

Thomas Burek, Pastoralreferent

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