Sankt Margareta Frankfurt

Der Blick in die Zukunft

Ein Statement der Jugendsprecher von Sankt Margareta im Rahmen der Begegnung des
Pfarrgemeinderats und der Ortsausschüsse bei der Visitation von Bischof Dr. Georg Bätzing.

Wenn man sich mit der Zukunft der Kirche beschäftigt, dann muss man sich auch mit der
Ausgangssituation beschäftigen. Wo steht die Kirche jetzt im Moment? In welche Richtung entwickelt
sie sich? Wie geht sie mit ihrer Umwelt um?

Es ist kein Geheimnis, dass viele Menschen die Kirche in ihrem Leben nicht brauchen. Austrittszahlen
und die Akzeptanz von Atheismus in der Gesellschaft haben dies schon längst bewiesen. Die Kirche ist
nicht mehr essentieller Teil des Lebens und kann dies auch manchmal gar nicht mehr sein. Die Welt
ist nicht schwarz und weiß und nur weniges ist komplett richtig oder falsch. Unsere Helden machen
Fehler, unsere Bösewichte haben manchmal tatsächlich gute Absichten und unsere Werte und Nöte
sind längst nicht mehr dieselben wie vor 2000 Jahren.
Es ist selbstverständlich, dass die Gemeinschaft bröckelt, wenn man immer wieder von Skandalen in
der Kirche hört, die gänzlich den Werten und Vorstellungen der Gläubigen widersprechen. Und der
Umgang damit ist noch wesentlich schlimmer. Wer entgegen der Nächstenliebe handelt, das
Gerechte ignoriert und andere dabei übergeht, der begeht eine Sünde. Aber Sünden sind kein
Stigmata. Sie haften einem nicht an, wenn man aufrichtig Buße tut. Das ist es, was wir bereits im
Erstkommunionunterricht lernen und an kommende Generationen weitergeben. Nämlich, dass es
falsch ist, Dinge unter den Teppich zu kehren und man sein Bestes tun muss, um den Schaden zu
beheben und die Konsequenzen auszuhalten. Das entspricht aber leider nicht den Taten der Kirche.
Stattdessen weiß man nicht genau, was in Rom hinter verschlossener Tür vor sich geht. Ist da nicht
offensichtlich, dass Menschen skeptisch werden, gerade dann, wenn immer wieder einzelne
Skandale durchbrechen.
Die Weltfremdheit, mit der man in den Führungsriegen der katholischen Kirche manchmal handelt,
ist Besorgnis erregend, und zu behaupten, der Papst sei unfehlbar hilft dabei nicht weiter. Der Papst
und alle, die unter ihm stehen, sind Menschen. Menschen machen Fehler. Das ist so sicher wie das
Amen in der Kirche. Es liegt also an uns zu reflektieren, was wirklich gottgegeben ist und was von
Menschenhand geschaffen wurde. Es gilt, so schmerzhaft es für den einen oder anderen auch sein
mag, Dinge anzuzweifeln, die bis dahin einen gewissen Schutz genossen haben.
Dies geht bei simplen Dingen los, wie die Frage der Möglichkeit weiblicher Priester oder der
Aufhebung des Zölibats bis hin zur Frage, ob eine Bibel, deren Kanon von einfachen Menschen
festgelegt wurde, auch nicht von Menschen verändert oder sogar ergänzt werden kann. Die Kirche
muss neu erlernen, was es bedeutet in ihrer Position, der einer moralischen Institution, eine Aussage
zu treffen. Es funktioniert nicht, dass man die Kirche als Ort der Einkehr und Ruhe darstellt, wenn
ihre eigenen Angestellten vor Stress krank werden.
Wir hatten ursprünglich vorgehabt, diesen Text wesentlich provokanter zu formulieren. Wir hatten
eine Menge Anspielungen auf Misshandlungs-Skandale und Bischöfe mit Verschwendungssucht
vorbereitet, bis uns klar geworden ist, wie wichtig es ist, hier einfach ehrlich und offen über unsere
Gefühle und Ängste gegenüber der Zukunft dieser Kirche zu reden. Frei von Tabuthemen und
Deckmäntelchen.
Diese Gemeinschaft ist uns persönlich sehr wichtig und es tut weh zu sehen, wie sie sich von innen
heraus selbst sabotiert und zerstört. Wir können mehr als blind und taub ein paar Regeln befolgen.
Wir sind in der Lage, tatsächlich Gutes zu tun und das haben wir hier schon oft genug erlebt. Es ist
Zeit, einen neuen Kurs einzuschlagen und nicht mehr an der Gesellschaft und deren Gefühlen,
Ängsten und Nöten vorbei zu rennen.
„Kirche denkt in Jahrhunderten!“ ist ein erstaunlich gut passender Ausdruck. Doch er ist Lob und
Kritik zugleich. Kirche ist es oft eher hinderlich. Denn Kirche arbeitet mit der so ziemlich
wechselhaftesten Masse überhaupt: mit einer Gesellschaft. Nichts verändert sich so schnell wie wir.
Und auch hier ist es gut nicht jedem Trend hinterherzujagen, aber wenn ganz klare Strömungen
verpasst werden, kann selbst so ein Schiff wie die Kirche kentern.
„Wir laufen an der Gesellschaft vorbei!“ Dieser Satz kam bei uns im Jugendausschuss auf und er passt
großartig. Die Welt wird immer verwirrender mit immer mehr wechselhaften Lebensstilen und einem
Egoismus sondergleichen, der um sich greift. Da tritt die Frage in den Vordergrund, ob die Menschen
eigentlich noch ein Gefühl der Gemeinschaft brauchen. Beispielsweise unsere Messdienerwallfahrt
nach Rom diesen Sommer. Dort gab es, vor der gemeinsamen Papstaudienz, einen gemeinsamen
Marsch aller Limburger Messdiener von der Engelsburg zum Petersplatz. Über 1200 Limburger
Ministranten waren eine unaufhaltsame Masse mit ein und demselben Ziel. Das war Gemeinschaft!
Diese ganze Woche hat seelisch so gut getan, einfach weil man dauerhaft Gemeinschaft gespürt hat.
Und darin sehen wir auch die Antwort auf die vorherige Frage. Natürlich brauchen die Menschen
Gemeinschaft, doch sie schotten sich teilweise von ihrer Umwelt ab. Ein gutes Beispiel hierfür ist das
Aussterben der Vereinskultur. Wir leben in einer hektischen Welt, wo alle hetzen, egal ob verbal oder
körperlich, wo alles laut ist und dröhnt, wo jeder Einzelkämpfer ist und Gruppendynamik ein
Fremdwort. Statt auf ihrem hohen Ross zu warten, bis die Menschen den Weg zurück in die Kirche
gefunden haben und von dort oben nur zu predigen, wir müssten sie zurückholen, sollten wir mal auf
diese Leute zugehen und fragen: Wieso bist du ausgetreten? Gibt es die Chance, dass du wieder
eintrittst? Und das Wichtigste: Wie stellst du dir die Zukunft der Kirche vor? Denn genau diese Frage
müssen wir uns immer wieder stellen, sonst laufen wir an der Gesellschaft vorbei. Diese Frage
müssen wir den Ausgetretenen stellen, um sie wieder zurück in die Kirche zu holen. Diese Frage
müssen wir immer wieder den Jugendlichen stellen, denn sie sind die Zukunft. Und diese Frage
müssen wir uns in unseren zentralen Gremien, wie dem Pfarrgemeinderat, immer wieder stellen.
Doch dann muss diese Frage etwas anders lauten: Wie stellst du dir die Zukunft in Sankt Margareta
vor? Und wenn wir es dann noch schaffen, diese Frage den Unzufriedenen in der Pfarrei zu stellen,
denen, die immer noch gegen die Großpfarrei sind und partout nicht die positiven Seiten an Sankt
Margareta sehen wollen, dann können wir auch anfangen, produktiv Dinge zum Guten zu ändern.
Denn ganz konkret: es fehlt an Modernisierung. So alt unsere Kirchen sind, so alt ist auch manchmal
die Haltung, die sich hinter ihr verbirgt. Vieles muss überdacht und vieles ganz neu gedacht werden.
Mit anderen Worten: Die Kirche muss sich bewegen. Jetzt ist nur die Frage in welche Richtung? Die
Kirche muss sich von innen heraus erneuern und dennoch auf Einflüsse von außen eingehen. Sie hat
den Auftrag präsent zu sein und den Menschen, egal welcher Herkunft und Vergangenheit zu
helfen, wenn sie in Nöten sind. Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind die Aufgaben, die uns unser
Namensgeber selbst aufgetragen hat.
Es ist an der Zeit zu zeigen, dass die Bezeichnung Christ*in nicht das Stigmata eines Schäfchens ist,
das stumm und blind der Herde folgt, sondern dass wir mit Gottes Hilfe in der Lage sind, Bestehendes
zu hinterfragen, Gutes zu stärken und diese Welt zum Besseren zu verändern.
Laurin Dill und Jannik Wilhelm

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