St. Josef Höchst

Die Eritreisch-Orthodoxen Gottesdienste ...

... Störfaktor oder Bereicherung?

Eine Umfrage bei den Nachbar*innen unserer Kirche St. Josef

 

Wie Sie wissen, hat seit einem Jahr unsere Gemeinde St. Josef eine neue Gottesdienstregelung. Um der Eritreisch-Orthodoxen Gemeinde einen späteren Gottesdienstbeginn zu ermöglichen, werden seit dem 1. Dezember 2019 die frühen Sonntagsgottesdienste um 9:15 Uhr in der Justinuskirche gefeiert. Hintergrund dieser Neuregelung waren damals Beschwerden von Nachbarn der Kirche St. Josef wegen des frühen Beginns der Gottesdienste der Eritreisch Gemeinde und den damit verbundenen Lärmbelastungen. Seitdem beginnen deren Gottesdienste in St. Josef erst um 7:00 Uhr, anstatt wie vorher im Winter um 5:00 Uhr und im Sommer um 6:00 Uhr.

Da unserer Gemeinde St. Josef eine gute Nachbarschaft wichtig ist, haben wir Anfang Oktober in Kooperation mit dem Amt für Multikulturelle Angelegenheiten unserer Stadt Frankfurt am Main eine Befragung unter den Nachbarn der Kirche St. Josef durchgeführt. Wir wollten Genaueres darüber erfahren, wie es ihnen mit den momentanen Regelungen geht und welche Erfahrungen Sie mit diesen Gottesdiensten machen.

Die Umfrage erfolgte bei 150 Nachbarn in den umliegenden Häuserblocks der Hostatostraße, Justinuskirchstraße, Antoniterstraße, Albanusstraße und Dalbergstraße. 37 Nachbarn haben unseren Fragebogen ausgefüllt – ein erfreulich hoher Rücklauf.

Wir fragten zunächst danach, was die Nachbarn von den Gottesdiensten wahrnehmen und dann danach, was sie davon stört. Insgesamt haben uns 12 Nachbarn Störungen zurückgemeldet: dazu gehören Verkehrsbehinderungen, das Nichteinhalten von Parkregelungen, lautes Schlagen der Autotüren, genauso wie der Lärm durch die Menschenmenge, z. B. laute Gespräche auf der Straße oder weinende Kinder. Auch der Gesang und das Trommeln während des Gottesdienstes wird von manchen genannt. Zwei Beispiele: „Lärm stört mich grundsätzlich sehr, zumal der Sonntag für mich ein Ruhetag ist.“ „Anfahrt und Abfahrt mit PKW; alles zugeparkt, auch verbotswidrig; Anwohner finden keinen Parkplatz.“

Die Mehrheit gibt jedoch an, sich dadurch nicht gestört zu fühlen. Dies sind sicher diejenigen in größerer Entfernung zur Kirche, aber auch Einzelne in unmittelbarer Nachbarschaft, wie das folgende Beispiel zeigt: „Ich wohne … direkt neben der Kirche. Als ich 2019 einzog, war mir bewusst, dass das Wohnen neben einer Kirche eine gewisse Geräuschkulisse mit sich bringt. Nach fast 2 Jahren kann ich sagen, dass ich positiv angetan bin. … Ich fühle mich nie gestört und bin froh, wenn die Gemeinde hier weiterhin ihrem Glauben nachgeht ohne unnötige Einschränkungen.“

Wir haben unsere Nachbarn auch gefragt, wie sie die Eritreisch-Orthodoxen Gottesdienste empfingen (Mehrfachnennungen waren möglich): Ein Großteil antwortete mit „Freut mich, als Bereicherung“ (16) oder „interessant“ (14), ein kleiner Teil mit „sind mir egal“ (7), eine Minderheit mit „als Belastung, Als Einschränkung“ (5) bzw. „schwer zu ertragen“ (2).

Weitere Beispiele für Antworten auf die Frage nach Wünschen und Anregungen:
„Weniger Lärm. Ich habe nichts gegen diese Menschen, wenn es nur leiser wäre. …“
„Es ist gut, dass andere Glaubensrichtungen die Möglichkeit haben, Gottesdienste abzuhalten – allerdings mit Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft. Ich habe den Eindruck, dass der Ablauf etwas ruhiger geworden ist.“
„Gern mehr Informationen in der Schaufenster-Tafel über die Gemeinde, Gottesdienstzeiten und Veranstaltungen, etc.“
„Seid weiterhin miteinander und füreinander da“
„Danke für Ihre Rücksicht und das Interesse für eine gute Nachbarschaft. Schön, dass die Kirche benutzt wird. Danke für die Umfrage!!!“

Gemeinsam mit Herrn Gebremedhin von der Eritreischen Gemeinde und Herrn Zech von der Stelle für Konfliktvermittlung im Amt für Multikulturelle Angelegenheiten habe ich diese Umfrage intensiv ausgewertet. Wir danken allen Nachbar*innen für die Rückmeldungen, sowohl für die kritischen Anmerkungen als auch für die Ermutigung und den Zuspruch, die wir von vielen auf diesem Wege erhalten haben. Uns hat es gefreut, dass viele Menschen sich Zeit für eine Antwort genommen haben. Die Ergebnisse haben uns gezeigt, dass es sich lohnt als Nachbar*innen im Gespräch zu bleiben und etwas für ein nachbarschaftliches Miteinander zu tun. Wir haben festgestellt, dass es den Wunsch gibt, die Eritreische Gemeinde stärker als Teil der Nachbarschaft kennen zu lernen, z.B. im Schaukasten, aber vielleicht auch auf Festen.

Im Laufe des kommenden Jahres wollen wir die im letzten Jahr begonnenen Nachbarschaftsgespräche gerne fortführen und auf eine breitere Basis stellen, um die gegenseitige Akzeptanz zu fördern und zu vertiefen. Es ist uns wichtig, gemeinsam darauf achten zu können, Spannungen frühzeitig aufzufangen, die entstehen können, wenn mit dem Abbau der Corona-Beschränkungen die Kirche wieder voller und vielleicht auch das Kommen und Gehen wieder lauter werden wird.

Franz-Karl Klug, Pastoralreferent

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