St. Josef Höchst

Weihnachtsbrief des Girassol Projekts

Nun schreiben wir tatsächlich den zweiten Pandemie-Weihnachtsbrief, um Ihnen von GIRASSOL zu erzählen. Wenn auch das CORONA-Virus nach wie vor die Welt in Geiselhaft hält, gibt es doch viel Positives aus Grajaú zu berichten.

Seit August durfte die Anzahl der am Präsenzunterricht Teilnehmenden kontinuierlich angehoben werden. Das wurde durch die sensationellen Erfolge der Impfkampagnen in São Paulo möglich, die gegen den erklärten Willen der Zentralregierung in Brasília organisiert wurden. In São Paulo sind derzeit etwa 85% der über 12-jährigen zweimal geimpft, das systematische Booster-Impfen hat vor Wochen begonnen und demnächst soll das Impfen der über 5-jährigen starten. Mittlerweile hat die Zentralregierung ihre Meinung revidiert und es wird landesweit immunisiert. Es sind also seit Monaten alle Kinder und Jugendlichen wieder täglich gleichzeitig in der Einrichtung, allerdings unter den weiterhin strengen behördlichen Hygieneauflagen, die wir schon mehrmals darlegten: Abstand halten, ununterbrochenes Maske tragen von ALLEN, auch draußen, Gesichtsvisiere für Berufsschüler und alle Erwachsenen, Trennwände an den Arbeitsplätzen, usw. Das ist alles extrem aufwändig und lästig - dennoch halten sich alle klaglos daran, ermöglicht es doch das so schmerzlich vermisste Miteinander. Es haben sich all‘ die ungewohnten Abläufe eingespielt und zu einer neuen Normalität geführt, die suggeriert, es sei alles, wie es früher gewesen ist. Unsere 3- bis 5-jährigen Kita-Kinder kennen es gar nicht anders!

Geschäfte, die großen Shopping-Malls, Restaurants und Clubs - alles hat wieder geöffnet. Die Straßen sind belebt, die Menschen verreisen wieder und Viele glauben, die Bedrohung sei überwunden. Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist alles andere als rosig, die Inflation rangiert wieder einmal im zweistelligen Bereich. Der Großteil der Brasilianer steht nicht mehr hinter der aktuellen Regierung, die sich in den Augen der Bevölkerung vornehmlich durch Versagen auszeichnet.

Mit dem Kalenderjahr neigt sich auch das Schuljahr seinem Ende zu. Eigentlich würde jetzt die Zeit der Weihnachtsfeiern beginnen. In den Bildungseinrichtungen würden in den kommenden Wochen die festlichen Zeugnisübergabe- und Abschlussfeiern abgehalten. Weil die Bedrohung aber eben doch noch nicht überwunden ist, bleiben Veranstaltungen dieser Art behördlicherseits untersagt. Um unseren Kids und den Berufsschülern den Jahresabschluss aber trotzdem ein bisschen besonders zu gestalten, wird es für alle eine „Cesta Bauducco“ geben. Diese Box enthält allem voran zwei Panettones und verschiedene weitere Back- und Süßwaren, die an Weihnachten in Brasilien unbedingt dazugehören. Auf Nachfrage gewährte die Herstellerfirma Bauducco unserem Sozialprojekt GIRASSOL einen signifikanten Preisnachlass. Innerhalb des Kreises der lokalen Spender und Unterstützer ist genügend Geld gesammelt worden, um allen Kita-Kindern bei einer kleinen Feier innerhalb ihres Gruppenraumes und in Anwesenheit nur der eigenen Kita-Gruppe solch einen Weihnachtskorb zu schenken und somit der ganzen Familie das Weihnachtsfest ein wenig zu verschönern.

Für die Jugendlichen wird es ebenfalls eine kleine Zeremonie im jeweiligen Klassenzimmer und nur mit den Kurs-eigenen Mit-Auszubildenden geben, während der die Abschlusszertifikate überreicht werden zusammen mit einer „Cesta Bauducco“, um alles ein wenig „aufzuhübschen“.

An der Zertifikatsübergabefeier des Schönheitspflegekurses wird auch Giovana teilnehmen. Ende 2020 sprach in GIRASSOL eine Frau für ihre Tochter vor - unsere Einrichtung sei ihre letzte Hoffnung. Giovana, 22, das jüngste ihrer drei Kinder brauche dringend eine Zukunftsperspektive. Erst wenige Jahre zuvor war endlich diagnostiziert worden, dass die junge Frau an einem komplexen neurologischen Gesamtbild leidet: zu einer Lernschwäche kommt das Asperger Syndrom, das zu einer Sozialphobie führt; darüber hinaus wurde Legasthenie festgestellt, aber die größte Belastung stellt eine ausgeprägte Depression dar. Der Mutter war es gelungen, die Tochter in verschiedenen staatlichen (und darum kostenfreien) Behandlungsinstitutionen unterzubringen und diese machte auch Fortschritte. Aber es war der Mutter, die ihre Tochter auf allen Wegen begleiten muss, trotz jahrelanger Suche noch nicht geglückt, irgendwo einen Ausbildungsplatz für sie zu finden und damit einer der dringendsten ärztlichen Empfehlungen zu entsprechen.

Bei GIRASSOL nahm sich der psycho-soziale Dienst des Mädchens und seiner Mutter an. Nach vielen Gesprächen, Abwägungen, einem Hausbesuch durch die Sozialarbeiterin, einer Beurteilung der familiären Stabilität, usw. kam die GIRASSOL-Leitung zu dem Ergebnis, Giovana eine Chance einzuräumen. Sie hatte den Wunsch artikuliert, Friseurin werden zu wollen. Die ersten Wochen der Ausbildung brachte die Mutter bei Präsenzunterricht im Klassenraum bei der Tochter zu, damit diese es überhaupt aushielt, über Stunden sich bei den fremden Menschen aufzuhalten. Nach etwa drei Monaten platzte der Knoten: die junge Frau kam nun strahlend zum Unterricht, plauderte und scherzte mit den anderen, fehlte keinen einzigen Tag. Feinmotorische Tätigkeiten fielen ihr noch sehr schwer, längeres Sitzen hingegen wurde immer leichter; praktischer Unterricht beglückte sie regelrecht. Arbeiten am PC, Lehrstoff in allen Ausbildungsgängen, wurde schnell zum Highlight für sie. Irgendwann konnte die Mutter dann unten beim Empfang sitzen, um aufs Unterrichtsende zu warten.

20211212 ProjektGirassol Weihnachtsbrief

Giovana blühte zusehends auf, das Familienklima entspannte sich, das Sorgenkind hatte plötzlich Zukunftspläne. Unsere Psychologin und unsere Krankenschwester arbeiteten eng mit den behandelnden Ärzten zusammen und begleiteten aufmerksam das Herunterfahren der schweren Antidepressiva: die junge Frau ist viel ausgeglichener, ruhiger, hat mehr als 20kg des durch die Medikamente verursachten Übergewichts verloren, ihre Bewegungsabläufe sind koordinierter und geschmeidiger, ihr Selbstvertrauen wächst so wie ihr Selbstbewusstsein. Die Ärzte sind von der Entwicklung förmlich überwältigt, hatten diese sich so nicht vorstellen können. Giovana hätte am 01. November eine Halbtags-Aushilfsstelle in einem Friseursalon angetreten, hätte sie sich wenige Tage davor bei einem Treppensturz nicht einen Knöchel gebrochen . . . Sie ist chirurgisch versorgt worden und wird, wenn der Heilungsprozess weiterhin so unproblematisch verläuft, diese Stelle am 01. Dezember antreten. Giovana und ihre Mutter haben durchgehalten, die Ausbildung nicht wie eine Reihe von Mit-Auszubildenden vorzeitig abgebrochen. Mitte Dezember wird sie ihr Zertifikat erhalten, nicht voll umfänglich (wegen einiger ihrer Defizite), aber handwerklich ist sie gut und für ihre Fähigkeiten am Computer wird ihr eine besondere Belobigung zuteilwerden.

Vor uns liegt die Adventszeit, Zeit in der wir auf die Weihnachtswunder-Nacht warten. In dieser Zeit sind wir bemüht, unseren Mitmenschen besonders freundlich zu begegnen; wünschen einander Frieden, gutes Gelingen geplanter Vorhaben, Erfüllung eigener Erwartungen. Es ist die Zeit schöner Geschichten, Geschichten kleiner Wunder - Geschichten wie die von Giovana und ihrer treu sorgenden, unbeirrbaren Mutter.

2021 war geprägt von manchmal vermeintlich unüberwindbaren Schwierigkeiten und tief verunsichernden Ungewissheiten. Dennoch ist in GIRASSOL fast 200 jungen Leuten der Weg in eine berufliche Existenz geebnet und über 100 Kindern eine schöne, gesunde, geförderte Kindheit beschert worden. Vielen Familien unserer Schützlinge konnte unser psycho-sozialer Dienst durch die widrigen Irrungen ihres Alltags helfen.

Es ist Ihrer aller Unterstützung, Ihrer aller Spenden zu verdanken, dass die in GIRASSOL geleistete Arbeit, das Leben so vieler Menschen in perspektivloser Lebenslage zum Besseren wenden kann; so vielen Menschen die Aussicht auf eine würdigere Zukunft eröffnet. Unser tief empfundener Dank an Sie wird begleitet von der Bitte an Sie, Teil der GIRASSOL-Zukunft zu bleiben: miteinander können wir so viel zum Positiven wenden!

 

Bleiben Sie gesund und kommen sie gut durch diese weiterhin schwierigen Zeiten! Mit einem nochmaligen DANKESCHÖN! senden wir Ihnen weihnachtliche Grüße, Ihre

 

Andreas Krebs, Vorsitzender Dr. Thomas Schmidt, stellvertretender Vorsitzender

 

P.S.: als kleine Erinnerung hier unsere Bankverbindung:

 

Sparkasse Hilden Ratingen Velbert
IBAN: DE 25 334 500 000 034 355 883
BIC: WELADED1VEL
Verwendungszweck: Weihnachtsspende

 

Förderverein Girassol e.V.
Geschäftsstelle:
Alte Weberei
Hitdorfer Straße 10
40764 Langenfeld
Telefon: 02173 - 99376377
Telefax: 02173 - 99376379
Mail: office [AT] projekt-girassol [PUNKT] de
Internet: www.projekt-girassol.de

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