Sankt Margareta Frankfurt

Impuls August 2022

Wir sind Kirche?

Sommer- und Ferienzeit bieten die gute Gelegenheit und die Ruhe, über „Gott und die Welt“ nachzudenken. Auch mal die Flut von Informationen aus allen Kanälen zu sortieren und einzuordnen. Dies ist im Alltag oft Foto Kowalkowskinicht möglich.

Nutzen wir also diese Gelegenheit und lassen uns einmal in Ruhe alles, was so in der gesamten Kirche, unserem Bistum und unserer Pfarrei mit seinen Gemeinden vor sich geht, an unserem inneren Auge vorbeilaufen.

Einen Impuls zum Nachdenken habe ich im Feuilleton des Höchster Kreisblatts an Pfingsten dieses Jahres über ein Buch, das die Frage nach Gott stellt, gefunden.

Dieser Artikel beginnt folgendermaßen:

„Zur Krise der Kirchen gehört der auffällige Umstand, dass Glaubensfragen in den Debatten über sexuellen Missbrauch, über schwindende Relevanz und mangelnde Reformen meist gar nicht mehr vorkommen. Es ist, als habe das Kirchenpersonal genug mit sich selbst zu tun, als sei die Frage nach Gott geschlossen.“

Aus meiner Sicht als Mitglied in Gremien der Pfarrei kann ich das nur bestätigen. Und zum zitierten Kirchenpersonal gehören für mich nicht nur Hauptamtliche, sondern alle in der Kirche Aktiven. In wie vielen Gremien, Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen (ich habe es Ihnen und mir erspart, alle, die in den Gemeinden, der Pfarrei oder dem Bistum bestehen, aufzuzählen) wird über viele Themen, die oftmals mit dem Wesentlichen unseres Glaubens nicht viel zu tun haben, diskutiert? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die gesamtgesellschaftliche Entwicklung dahin geht, dass praktisch für jede/n Einzelne/n oder zumindest jede noch so kleine Gruppe ein entsprechend zugeschnittenes Angebot vorhanden sein muss? Und die Kirche – das sind auch wir – handelt genauso, macht es sich ganz einfach und schwimmt im Strom der gesellschaftlichen Entwicklung mit.

Da frage ich mich schon: Wo bleibt da das „WIR“ aus der Eingangsfrage? Wenn „WIR“ Kirche sind, warum sind „WIR“ denn kaum mehr präsent in den sonntäglichen Gottesdiensten? Weil „ICH“ etwas anderes vorhabe, weil „ICH“ die Predigten eines  bestimmten Pfarrers nicht gut finde, weil „ICH“ die Lieder, die gesungen werden, nicht mag,
weil …

In der Kirche steht mittlerweile – wie in der Gesellschaft - das Individuum im Vordergrund. Damit wird das, was sie sein sollte, ad absurdum geführt. Und diese Entwicklung wird nicht von oben (Papst, Bischof, Pfarrer) bestimmt, nein, sie kommt von unten, dem sogenannten Kirchenvolk.

Bischof Bätzing sagt zur aktuellen Kirchenstatistik für die deutschen Diözesen, die von immer höheren Zahlen von Austritten berichtet: „Es gibt keine Selbstverständlichkeiten mehr für uns als Katholische Kirche. Wir müssen uns neu erklären, erläutern, was wir tun und warum wir es machen“. Ich verstehe das so, dass er damit nicht meint, dass wir uns mit allerlei Aktionen zu einzelnen Themen auf verschiedenen Gebieten beschäftigen, sondern dass es um viel mehr geht: zu erklären, was die Kirche für die Gesellschaft bedeutet, was sie beiträgt zu einem Miteinander, das geprägt ist von Anstand, Rücksicht, Hilfe. Die deutsche Sprache, wie auch andere Sprachen, unterscheidet zurecht zwischen „Jede/r“ und „Alle“, auch wenn dies im Zuge des sogenannten Genderns fälschlicherweise gleichgesetzt wird. „Alle“ ist die Summe von Einzelnen. „Alle“ bildet sozusagen einen Rahmen, der einen allgemeinen Konsens darstellt und in dem sich die/der Einzelne befindet. Dieser Rahmen begrenzt durchaus die Forderungen und Wünsche einer/eines Einzelnen. Damit muss die/der Einzelne leben – auch in der Kirche, damit sie nicht macht- und kraftlos ist.

Übrigens: Das vorher zitierte Buch ist von dem deutsch-iranischen Schriftsteller und habilitierten Orientalisten Navid Kermani und heißt: „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen.“ Das Titelbild mit den Puzzleteilen drückt dies symbolhaft aus.

Nur so entsteht ein neues „WIR“ und dann kann hoffentlich zurecht – nicht mit Frage- sondern Ausrufezeichen – gesagt werden: „Wir sind Kirche!“

Dr. Rainer Kowalkowski

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